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Freitag, 14. Oktober 2022

Deutscher Alpenverein/Österreichischer Alpenverein/Alpenverein Südtirol: BERG 2023 - Alpenvereinsjahrbuch

 Deutscher Alpenverein/

Österreichischer Alpenverein/

Alpenverein Südtirol: 

BERG 2023 - Alpenvereinsjahrbuch

 


Wie jedes Jahr wird es sehnlichst erwartet, das neue Alpenvereinsjahrbuch. Von Bergliebhabern, von Buchliebhabern, von Naturfreunden.

Kein Wunder auch, wenn man das Preis-Leistungsverhältnis anschaut: 20,90 Euro für ein derartiges Werk, aufwändig ausgestattet, reich bebildert, geschrieben von hervorragenden Fachleuten, seien es nun Alpinisten, seien es Wissenschaftler oder sonstige Autoren wie der bekannte Fotograf Bernd Ritschel, der Autor Tom Dauer oder dem Alpenforscher Professor Werner Bätzing. Alles was die Bergwelt bewegt oder bewegen wird, ist enthalten.

Das traditionell vielseitige Portfolio alpiner Themen für Menschen, die die Berge lieben

Wie immer ist das Buch in große Kapitel eingeteilt. Das Sonderthema, der Berg und die Gegend in der diesjährigen Ausgabe ist die Wildspitze. „Eine grössere Weltabgeschiedenheit lässt sich für wahr auf keinem anderen Berggipfel finden als auf der Wildspitze.“ Diese Worte notierte der Geograf Anton von Ruthner nach seiner Besteigung des höchsten Gipfels der Ötztaler Alpen im Jahr 1861. Heute ist die Wildspitze, stolze 3768 Meter hoch, einer der populärsten Dreitausender Österreichs. In den BergWelten, dem großen Gebietsthema des Alpenvereinsjahrbuchs BERG 2023, dreht sich alles um den zweithöchsten Berg Österreichs, dessen „Weltabgeschiedenheit“ längst Geschichte ist. Die Menschen am Fuß des Berges bedauern das nicht. Ein Artikel über die Navigation und überhaupt die Alpen digital – im Vergleich zu den frühreren gedruckten Führern - rundet diesen Teil ab. Auch die Transhumanz, die Wanderung der Schafe in der Gegend, das benachbarte Pitztal sowie die Gletscherforschung sind Themen dieses Teils.

Das Kapitel BergFokus beleuchtet ein Bergsportgerät, dessen steiler Aufstieg vor rund 40 Jahren begann: das Mountainbike. Dem Alpenverein beschert es seitdem viele begeisterte Nutzer – und lebhafte Diskussionen, denn auf seinen Wegen und in seinen Hütten begegnen sich nun Fußgänger und Radfahrer. Kann das gutgehen? Und was macht eigentlich die Faszination und den Erlebniswert des Bergrades aus? Diese Punkte reichen für eine ausgedehnte Berichterstattung im Buch gut aus.

Die Rubrik BergSteigen liefert u. a. eine Übersicht über das internationale Bergsportgeschehen und geht dabei den Fragen nach, welche Leistungen im Bergsport es wert sind, festgehalten und herausgestellt zu werden.

BergMenschen bringt herausragende Persönlichkeiten vor den Vorhang, wie die Vorarlberger „Trad-Kletterqueen“ Barbara Zangerl oder den nepalesischen 8000er-Rekordmann Nirmal Purja. Andi Dick berichtet über herausragende alpine Leistungen im vergangenen Jahr und schreibt eine Wettkampf-Chronik 2021/22.

BergWissen zeigt, vor welchen Herausforderungen die Gletscherforschung aktuell steht und berichtet vom Verschwinden der traditionellen Almwirtschaft, geschrieben von keinem Geringeren als Professor Werner Bätzing. Auch den Bartgeiern ist ein Aufsatz gewidmet.

BergKultur widmet sich augenzwinkernd dem feinen Unterschied: Heißt es nun Ski oder Schi? Kaum zu glauben, welche tiefgreifenden kulturellen Unterschiede sich darin offenbaren.

Und so wird wie jedes Jahr Kapitel um Kapitel, Thema um Thema hochrangig und manchmal auch mit schelmischen Gedanken abgehandelt. Business as usual also. Der Kenner der Jahrbücher freut sich. Schließlich wartete er ein ganzes Jahr darauf, was nun wohl den Alpenvereinen wichtig genug war, es ihn ihrem traditionellen Prestigeobjekt zu besprechen.

Für Lektüre an den kommenden Wintertagen ist also gesorgt, bleibt nur zu hoffen, dass man dabei nicht so frieren muss wie so mancher Bergsteiger, der in der Wand übernachten muss…

Deutscher Alpenverein/Österreichischer Alpenverein/Alpenverein Südtirol: BERG 2023 – Alpenvereinsjahrbuch. 256 Seiten; 263 farbige und40 schwarzweiß Abbildungen, Format 26 cm x 21 cm, Hardcover. Tyrolia, Innsbruck und Wien, ISBN 978-3-7022-4057-8. 20,90 €

Sie erhalten das Buch im Buchhandel oder hier.

Dieter Buck

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Sonntag, 28. November 2021

Reinhold Messner. Zwischen Durchkommen und Umkommen

 Reinhold Messner

Zwischen Durchkommen und Umkommen

Die Faszination des Bergsteigens

 


Dass Reinhold Messner nicht nur als Ausnahmebergsteiger aktiv ist, sondern seit vielen Jahren auch als Buchautor dürfte ja hinlänglich bekannt sein. Nun legt er sein neues Buch vor, einen gewaltigen Band.

Dies nicht nur vom Umfang und Gewicht her sondern auch vom Inhalt her. Messner hat sich nichts Geringeres vorgenommen als die Geschichte des Alpinismus.

Mutig und selbstbestimmt stellen sich traditionelle Bergsteiger dem Unbekannten. Sie gehen dorthin, wo die anderen nicht sind, und gehen hohe Risiken ein. Seit im Jahr 1786 erstmals Menschen auf dem Gipfel des Montblanc standen, werden die Grenzen des „Unmöglichen“ immer weiter verschoben.

»Der traditionelle Alpinismus ist die Kunst, dort zu überleben, wo der Mensch nicht hingehört.« Reinhold Messner

Reinhold Messner setzt diesen Pioniertaten ein Denkmal. Er schildert den traditionellen Alpinismus anhand herausragender Protagonisten und lässt sie in Originaldokumenten selbst zu Wort kommen. Zahlreiche alle berühmten Namen samt ihrer „Heldentaten“, die in der Entwicklung des Alpinismus eine große Rolle spielten, hat er in Wort und Bild beschrieben. Der eine oder andere, den man kennt und den man gerne in dieser Reihe gesehen hätte, fehlt zwar – aber ein Buch darf ja auch nicht ausufern. Es muss noch „tragbar“ und bezahlbar sein. C’est la vie, Pech für die, die nicht genannt wurden, es aber auch verdient hätten. Wobei nicht so ganz klar ist, nach welchen Kriterien die Porträts ausgesucht wurden. Vielleicht nach persönlichen Vorlieben, warum auch nicht. Das schmälert den Wert des Werkes jedoch nur unwesentlich. Manches geht halt nicht.

In prägnanten Essays zeigt Messner auf, welche mentalen und körperlichen Voraussetzungen eine Haltung wie die der beschriebenen Bergsteiger erfordert: Eigenschaften wie Neugier und Leidenschaft, Eigenverantwortung in der Gefahr und die bewusste Konzentration auf das Wesentliche, was den Verzicht auf ausgefeilte technische Hilfsmittel mit einschließt.

Messners neues Buch ist ein Plädoyer für den menschlichen Entdeckergeist, für eine unmittelbare Begegnung von Mensch und Natur, für einen Alpinismus „ohne Netz und doppelten Boden“ – ein Erbe, das es weiterzugeben gilt.

Zum Autor:

Reinhold Messner, geboren 1944, ist der berühmteste Bergsteiger und Abenteurer unserer Zeit. Er bestieg als erster Mensch alle vierzehn Achttausender, darunter erstmals den Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff und allein. Zu Fuß durchquerte er die Antarktis, Grönland und die Wüste Gobi. Er hält Vorträge in vielen Ländern der Welt, dreht Dokumentarfilme, veröffentlicht Artikel in großen internationalen Zeitschriften und hat zahlreiche Bücher verfasst, die in viele Sprachen übersetzt wurden. 2019 erschien bei Ludwig sein Buch »Nanga Parbat – Mein Schlüsselberg«. Er kämpft für einen ökologisch nachhaltigen Umgang mit der Bergnatur, bewirtschaftet selbst Bergbauernhöfe und hat das Messner Mountain Museum aufgebaut, ein Begegnungsraum mit sechs Standorten in seiner Heimat Südtirol. Für ihn ist der Alpinismus mehr Kultur als Sport.

Reinhold Messner. Zwischen Durchkommen und Umkommen. Die Faszination des Bergsteigens. Bildband, 304 Seiten, Format 21,0 x 27,0 cm, Hardcover mit Schutzumschlag. Ludwig Verlag, 2021. ISBN: 978-3-453-28146-2. 32,00 [D] inkl. MwSt. ,€ 32,90 [A] | CHF 43,90 * (* empf. VK-Preis)

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Dieter Buck

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Samstag, 16. Oktober 2021

BERG 2022 - Alpenvereinsjahrbuch

 

 Deutscher Alpenverein/Österreichischer Alpenverein/Alpenverein Südtirol/Axel Klemmer (Hrsg.)

 BERG 2022 - Alpenvereinsjahrbuch

BergWelten: Ortler

BergFokus: Freiheit


Es ist wieder da, das lang erwartete Alpenvereinsjahrbuch der drei großen Alpenverein. Die Ausgabe 2022 ist da! Wieder gespickt voll mit wichtigen, interessanten und lesenswerten Geschichten, alle geschrieben von Fachleuten in ihrem Bereich.

Berg 2022 bietet wie in den vorausgegangenen 145 Ausgaben ein hochwertiges und vielseitiges Portfolio alpiner Themen. Dazu hervorragend bebildet, sodass man es auch – eigentlich eine Schande – auch als eine Art alpines Bilderbuch verwenden kann … Und das alles zu einem unschlagbaren Preis! Das geht wirklich nur, wenn die geballte Kompetenz und die Namen der drei Alpenvereine dahinter stehen – für jeden, der im alpinen Bereich schreibend tätig ist, kann es ja nur eine Ehre sein, wenn er in seiner Bibliographie auch auf eine Veröffentlichung in einem – oder gar mehreren – Alpenvereinsjahrbüchern verweisen kann!

Alpine Themen für Menschen, die die Berge lieben – zuerst das Thema 3905 Meter, der Ortler:

Nirgendwo in den Arbeitsgebieten des Alpenvereins geht es höher hinauf als am Ortler. BERG 2022 widmet dem gewaltigen Berg über dem Südtiroler Vinschgau das Gebietsthema. Schon die Geologie des Giganten fasziniert, richtig spannend aber werden Fels und Eis erst, wenn man sie mit Händen greifen kann. Niemand weiß das besser als der Bergführer Olaf Reinstadler, der von den klassischen Routen rund um Ortler und Königsspitze berichtet - und von den Veränderungen, die sie in den letzten Jahren erfahren haben.

Alpinistisch meist weniger anspruchsvoll sind die Wege und Steige über dem Ultental, das vom Meraner Becken hineinführt in den Nationalpark Stilfserjoch, der die zentrale Ortlergruppe umfasst und von seinem langjährigen Direktor Wolfgang Platter vorgestellt wird.

BergFokus: Freiheit – BergSteigen – BergMenschen – BergWissen

Berge sind unverrückbar, doch für viele waren sie während der Corona-Pandemie auch unerreichbar. Und so ist unser BergFokus denkbar aktuell, denn die Freiheit ist das große Versprechen des Bergsteigens. Warum fühlen wir uns in den Bergen eigentlich frei? Namhafte Autorinnen und Autoren geben darauf höchst lesenswerte Antworten - zum Nachdenken, zum Schmunzeln, zum Mutschöpfen.

Über die Freiheit der "Bergsüchtigen", die auf den Berg steigen müssen, denkt dagegen der KI-Forscher, Robotik-Experte und leidenschaftliche Bergsteiger Nico Hochgeschwender nach. Vom individuellen Alpinismus-Algorithmus geht es dann auf der gesellschaftlichen Ebene weiter zur Freiheit der anderen BergMenschen, die es zu achten gilt, wenn wir ihnen auf Gipfeln und Wegen, aber auch im Alltag und in Internetforen begegnen.

In der gleichnamigen Rubrik steht auch die berührende Geschichte des Wiener Kunsthandwerkers und Bergsteigers Reinhold Duschka, der während des Zweiten Weltkriegs zwei jüdische Mitbürgerinnen vier Jahre lang versteckte.

Daneben werden die neuseeländische Profialpinistin Mayan Smith-Gobat und die Bergführerlegende Peter Habeler aus dem Zillertal porträtiert.

In den Zillertaler Alpen leisten einheimische "Stuansucher", Mineraliensammler, zusammen mit Geologen seit Jahrhunderten gemeinsame Forschungsarbeit.

Darüber berichtet die Rubrik BergWissen, die auch noch eine verblüffende Detektivgeschichte über natürliche Umweltgifte im Hochgebirge und eine Reportage aus dem oberösterreichischen Nationalpark Kalkalpen enthält.

Alpinistische Ziele in der Antarktis und die Geschichte der Frauenexpeditionen im Himalaya sind Themen der Rubrik BergSteigen. Doch welche Zukunft haben Reisen zu den "Bergen der Welt" in Zeiten des Klimawandels eigentlich? Ist es nicht besser, zu Hause zu bleiben? Besuchen mehr Menschen die Alpen, steigt dort der Druck. Dringend nötig sind darum neue Formen der Mobilität, für die Andi Dick plädiert, sowie Maßnahmen zur Besucherlenkung, von denen beispielhaft aus den Ammergauer Alpen berichtet wird.

BergKultur

Ein wichtiges Thema, nicht umsonst von Anfang auch im Aufgabenbereich der Alpenereine stehend! Um Malerei, Fotografie und Soziale Medien geht es schließlich in der Rubrik BergKultur -denn die Medien, derer man sich bedient, um der Faszination für das Gebirge Ausdruck zu verleihen, haben sich gewandelt. Vorgestellt wird außerdem ein spannendes Projekt der Technischen Universität Dortmund, das aufgelassene Skigebiete, ihre Ästhetik und Wahrnehmung untersucht und einen Begriff in die Alpen bringt, den man bisher aus dem Ruhrgebiet kannte: Industriekultur.

Deutscher Alpenverein/Österreichischer Alpenverein/Alpenverein Südtirol/Axel Klemmer (Hrsg.): BERG 2022 – Alpenvereinsjahrbuch. BergWelten: Ortler. BergFokus: Freiheit. 256 Seiten, 336 farb. Abb. und sw. Abb.; Format 260 mm x 210 mm. Buchbindung: Hardcover. Tyrolia, Innsbruck und Wien, 2021. ISBN 978-3-7022-3977-0. 20,90 €

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Dieter Buck

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Freitag, 13. März 2020

Andreas Lesti: Das ist doch der Gipfel. Geschichten von den Bergen der Welt

Andreas Lesti:
 Das ist doch der Gipfel
Geschichten von den Bergen der Welt
 




16 Persönlichkeiten, 14 Gipfel, 12 Länder, 3 Jahrhunderte Die Geschichte des Alpinismus ist schon auf viele Weisen erzählt worden, aber so noch nie. Literatur und Bergsteigen hatten schon immer ein Verhältnis, nicht erst seit Bestsellerautor Reinhold Messner.

Und abseits von zeitgenössischen Schreibern, der Südtiroler ist da nur einer, wenn vermutlich auch der Berühmteste, unter vielen, kann man in der Vergangenheit viel entdecken. Der erste bekannte Schriftsteller war sicherlich Francesco Petrarca mit seiner Besteigung des Mont Ventoux. 

 

Dieses Buch, das sich der Verbindung der Bergwelt mit der Literatur widmet, beginnt jedoch etwas später, im 18. Jahrhundert. In 15 Geschichten begibt sich der Journalist Andreas Lesti auf Spurensuche in die Berge der Welt, rekonstruiert ungewöhnliche und vergessene Pionierleistungen, steigt selbst auf, trifft Experten und stellt die Bergsteigerei stets in den kulturellen Kontext der Zeit.

Er zieht eine Linie von den alpinistischen Anfängen im 18. Jahrhundert bis zu den Extremkletterern der Gegenwart: Warum ist Goethe beinahe ein Lawinenopfer geworden? Wie hat eine junge Engländerin den Pauschaltourismus in die Alpen gebracht? Und warum sind die Berge auch heute noch so unberechenbar und gefährlich?

 

Leidenschaft Berg: Die Geschichte des Alpinismus in 15 spannenden Bergsteiger-Geschichten
Die hohen Berge galten lange Zeit als Ort des Schreckens: Schnee und Eis, bodenlose Abgründe, zerstörerische Steinschläge und todbringende Lawinen waren aber noch das kleinere Übel. Hier trieben auch Riesen, Drachen und Tatzelwürmer ihr Unwesen. Es bedurfte einiger mutiger Bergsteiger, die es wagten hinaufzusteigen, um sich vom Gegenteil zu überzeugen.

Andreas Lesti erzählt die Geschichten dieser mutigen Männer und Frauen und rekonstruiert ungewöhnliche und vergessene Pionierleistungen des Alpinsports. Er berichtet, wie die Alpen vom Schreckensort zum Sehnsuchtsort wurde, von der Wandlung des Bildes der Alpen seit dem 18. Jahrhundert. Er erzählt von Triumphe und Tragödien, am Großglockner, am Mount Everest und am Matterhorn, wo die seinerzeitigen Bergsteiger an ihre Grenzen gelangten. Zudem stellt der das Bergsteigen in den Kontext der Zeit: von Belsazar Hacquet über Aleister Crowley bis zu dem jüngst verunglückten David Lama.

Kein Berg ist zu hoch: Portraits von prominenten und vergessenen Gipfelstürmern
Warum ist Goethe beinahe ein Lawinenopfer geworden? Wie hat eine junge Engländerin den Pauschaltourismus in die Alpen gebracht? Und warum sind die Berge auch heute noch so unberechenbar und gefährlich? Anhand von 15 Portraits und Geschichten zeichnet Andreas Lesti die Eroberung der Bergwelt durch den Menschen nach. Er erzählt von berühmten Bergsteigern wie Johann Wolfgang von Goethe und Alexander von Humboldt, aber auch von in Vergessenheit geratenen wie den Brüdern Schlagintweit und Fritz Wiessner. Einige, wie Wanda Rutkiewicz und David Lama, stiegen steile Wände hinauf, andere, wie Theodor von Lerch und Peter Wörgötter, fuhren auf Skiern hinunter.

So liegt in »Das ist doch der Gipfel« ein Bild von den Alpen der Gegenwart vor, das es ohne die Helden der Vergangenheit nicht geben würde. By the way: Es ist eigentlich unerheblich für ein Buch, aber man bemerkt es doch mit Vergnügen – es ist ein fein gemachtes Buch. Mit einem haptisch den Leser verwöhnenden Leineneinband, mit Lesebändchen. Leider aber vermitteln die Berge nicht nur Freude, und so schließt das Buch mit einer Art Nachruf auf den 2019 in einer Lawine zusammen mit seinen Freunden HansJörg Auer und Jess Rosskelley verunglückten David Lama.

Zum Autor:
Andreas Lesti, 44, ist Journalist (u. a. Frankfurter Allgemeine Zeitung), Germanist und Alpinist aus Bayern und lebt seit einigen Jahren im bergfernen Berlin. Durch regelmäßige Reisen in die Gebirge der Welt kann er darüber hinwegsehen, dass es die Hügel der deutschen Hauptstadt auf gerade mal 115 Höhenmeter bringen. Für seine Reportagen wurde er mit verschiedenen Journalistenpreisen ausgezeichnet.

Andreas Lesti: Das ist doch der Gipfel: Geschichten von den Bergen der Welt. 144 Seiten, Format 12.0 x 20.0 cm. BERGWELTEN, 2020.
Gebundenes Buch, Leinen mit Lesebändchen. ISBN-13 9783711200174. Österreich: 18.00 EUR, Deutschland: 18.00 EUR, Schweiz: 25.90 CHF empfohlener VK-Preis.
E-Book. ISBN-13 9783711250131. Österreich: 13.99 EUR, Deutschland: 13.99 EUR, Schweiz: 21.00 CHF empfohlener VK-Preis.

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Montag, 26. August 2019

Reinhold Messner: Rettet die Berge

Reinhold Messner: Rettet die Berge


Für den großen Reinhold Messner, wohl einer der bekanntesten Menschen, Alpinisten sowieso, der Zeitgeschichte, ist dies ein relativ kleines Buch. Aber eines, das es in sich hat. In dem vielleicht der wahre, der tiefe Reinhold Messner zu Wort kommt.

Um es nicht zu vergessen: Es erscheint passend zu seinem 75. Geburtstag. Deshalb gleich hier vorne: Herzlichen Glückwunsch!

Messner hat mit dem Buch ein nachdenkliches Kapitel seiner selbst angestoßen. Kurze Kapitel, kurze Essays, zu den verschiedensten Themen der Berge und des Alpinismus, ja zu den Problemen der Menschen und Menschheit selbst fast. Sie eignen sich vorzüglich, immer wieder mal kurz reinzuschauen und das eine oder andere Kapitel zu lesen. Denn – seien wir mal ehrlich: Die wenigsten Menschen haben noch die Zeit oder den Nerv, längere Werke zu lesen, in denen es durchgehend ernst und philosophisch zugeht. Da ist das Konzept dieses Büchleins ideal, die Leser und Bergfreunde an die verschiedenen Aspekte heranzuführen, sie nicht zu überfordern, sondern ihnen ernste und wichtige Kapitel quasi häppchenweise anzubieten.

Zu dem vorzüglichen Konzept der einzelnen kurzen Kapitel passt auch der Schreibstil. So wie Messner auch spricht, hört man mal ein Interview von ihm, so ist das Buch auch geschrieben. Interessant, spannend, und vor allem allgemein verständlich. Da steigt keiner vor lauter Nichtverstehen aus. Davor kommt noch der Kapitelschluss – und am nächsten Tag liest man dann das nächste Kapitel.

Naturschutz statt Massentourismus …
Als die Romantiker die Schönheit der Berge entdeckten, konnte niemand ahnen, dass dies der Beginn des alpinen Massentourismus sein würde. Ob Alpen, Himalaya oder Hohe Tatra: Heute sind ganze Bergregionen ein einziger Spielplatz mit inszenierten Freizeitparks, Klettersteigen, Skigebieten und kahlen Hängen. Mountainbiker, Bergsteiger und Skifahrer erwarten ein perfektes Vergnügen, Alpinisten eine allgegenwärtige Bergrettung.

Die Erhabenheit der Natur wird zusehends banalisiert. Unser Verhalten bedroht eine einzigartige Wildnis und eine ökologisch wertvolle Kulturlandschaft.

- ein kämpferischer Appell von Reinhold Messner
Reinhold Messner, der wie kein anderer die Berge der Welt kennt, analysiert in seinem Buch die Bedrohungslage und gibt konkrete Handlungsempfehlungen:

- Pointiert, meinungsstark und unbequem: ein Plädoyer für einen neuen Naturschutz
- Nachhaltige Entwicklung statt Massentourismus: Was jeder von uns zum Erhalt der Bergwelt tun kann
- Bonus-Kapitel: Berge besteigen, obwohl es absurd ist – Reinhold Messner im Interview

Man sieht, der harte Kämpfer, der auch die schlimmsten Strapazen übersteht und durchhält, der sich durchbeißt, der Messner, den man kennt, den gibt es immer noch.

Wie Mensch und Natur gemeinsam eine Landschaft gestalten
Wir Menschen brauchen die Berge. Aber brauchen die Berge uns? Reinhold Messner, Bergsteiger, Abenteurer und Philosoph in Aktion, sagt: Ja! Das, was wir als Gebirge erleben, besteht für ihn aus zwei miteinander verzahnten Elementen: Einer Kulturlandschaft aus Almen, Wäldern und Bergdörfern und einer Naturlandschaft, die sich weit über die Waldgrenze hinaus in die Hochgebirgsregionen erstreckt.

Reinhold Messner kämpft für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur, bewirtschaftet Bergbauernhöfe und gestaltet an sechs Standorten das Messner Mountain Museum. In seinem Buch »Rettet die Berge« zeigt er, wie das Zusammenspiel von Stadt und Land, Berg und Tal, Mensch und Natur funktioniert und was wir tun müssen, um die grandiose Landschaft und den einzigartigen Lebensraum der Gebirge für nachfolgende Generationen zu erhalten. Wir haben kein Ersatzgebirge – rettet die Berge!

Fazit:
Ein schönes Buch, ein wichtiges Buch. Ein Buch, das bei allen Bergfreunden im Regal stehen sollte, egal wie man nun zum Menschen und Bergsteiger Messner stehen mag. Und das auch bei allen anderen Menschen sich gut machen würde. Bei Naturschützern und umweltbewussten Mitbürgern sowieso, aber auch bei allen anderen.

Zum Autor:
Reinhold Messner, geboren 1944, ist der berühmteste Bergsteiger und Abenteurer unserer Zeit. Als Kletterer, Grenzgänger und ›Philosoph in Aktion‹ hat er immer wieder neue Maßstäbe gesetzt: Er bestieg als erster Mensch alle vierzehn Achttausender und durchquerte zusammen mit Arved Fuchs die Antarktis zu Fuß. Heute kämpft er für einen ökologisch nachhaltigen Umgang mit der Natur, bewirtschaftet Bergbauernhöfe und gestaltet an sechs Standorten das Messner Mountain Museum. Zudem widmet er sich nun dem Bergfilm als Autor, Regisseur und Produzent.

Reinhold Messner: Rettet die Berge. 128 Seiten, Format 10.5 x 19.2 cm, gebunden. Benevento. ISBN-13 9783710900716. Österreich: 10.00 EUR, Deutschland: 10.00 EUR, Schweiz: 14.50 CHF, empfohlener VK-Preis.
E-Book: ISBN-13 9783710950810. Österreich: 5.99 EUR, Deutschland: 5.99 EUR, Schweiz: 9.00 CHF, empfohlener VK-Preis.

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