Dienstag, 24. April 2018

Christine Scheel, Gerhard Engel: Weit Blick. Einsichten auf dem Weg über die Alpen

Christine Scheel, Gerhard Engel:
Weit Blick 
Einsichten auf dem Weg über die Alpen



Ein Buch, eine Art Führer, über Berge und Bergwandern aus einem christlichen Verlag? Man kommt schon ins Staunen und Grübeln. Andererseits: schon der legendäre Bischof Reinhold Stecher aus Innsbruck, u.a. ein großer Freund der Berge, sagte: „Viele Wege führen zu Gott. Einer über die Berge.“

Und einer eben auch über die Alpen, über die Hohen Tauern nach Südtirol. Christine Scheel, bekannt aus dem Bundestag als Vertreterin der Grünen, und Gerhard Engel sind diesen Weg gegangen.

Berge sind Sehnsuchtsorte
Schreibt der Verlag. Weiß man, liest man ja immer wieder. Gerade der urbane Mensch sucht die Herausforderung des Gipfels. Die langjährige Bundestagsabgeordnete und Grünen-Ikone Christine Scheel durchquert mit ihrem Mann jedes Jahr die Alpen. So sind die beiden nicht nur Zeugen einer schleichenden Verwandlung der ursprünglichen Landschaft in eine Eventkulisse, sondern auch der greifbaren Folgen des Klimawandels. Aus diesen Beobachtungen entfalten die Autoren eine aufrüttelnde politische und spirituelle Erzählung entlang des Weges vom Chiemsee bis an den Lago di Misurina.

Neben dem einen oder anderen sachlichen Hinweis, zum Weg, zu den Hütten, in denen man übernachtet, zu den Gaststätten, in denen man ist, erfährt man viel vom Innenleben der beiden Autoren und von ihrer Sicht der Welt. Fast schämt man sich wie ein ertappter Voyeur. Aber die beiden lassen ja freiwillig den Leser in ihre Gedanken blicken. Halb so schlimm also.

Berge gewähren Weitblick über den Tag hinaus. Das Buch von Scheel und Engel kreist deshalb nicht nur um wichtige politische Weichenstellungen – Klima, Globalisierung, Europa – sondern auch um spirituelle Erfahrungen beim Gehen in der Höhe. Welche Grenzen hat menschliches Wollen und Handeln? Wie gelingt Meditation im Angesicht der imposanten Natur? Und wie verändern Grenzerfahrungen positiv den Blick auf das Leben?

Immer wieder schweifen die Gedanken ab. Man kennt das von eigenen Wanderungen. Je länger und je anstrengender, je weniger denkt man konkrete, wichtige und aktuelle Dinge. Sondern die Gedanken fließen frei, greifen alle möglichen Themen auf. In diesem Fall halt politische Themen, Umweltthemen. Was der Autorin im Kopf herumgeht und was sie beschäftigt und bewegt. Daran muss ich der Leser dieses „Bergbuches“ gewöhnen – man lernt ständig dazu, muss sich ständig mit „außeralpinen“ Themen beschäftigen. Ungewohnt, aber nicht schlecht.

Man fröstelt oder freut sich beim Lesen mit den Autoren, man fühlt mit, man versteht, man versteht auch die Gedanken von neu gewonnenen Freunden, die ein Stück den Weg begleiten. Und so hat auch der Leser am Ende des Buches die Alpen überquert. Vielleicht geht es ihm so wie dem Autor dieser Zeilen. Einmal angefangen konnte er nicht mehr aufhören mit Lesen. Und las das Buch in einem Happs zu Ende. Das ist modern: Eine 24-Stunden-Wanderung, aber halt im bequemen Sessel…

Zu Autor und Autorin:
Gerhard Engel, 1952 geboren, lebte schon als Kind ein Jahr in den Tiroler Bergen. Nach dem Studium der Theologie und Germanistik wanderte er mit Freunden auf selbst gesuchten Wegen von München nach Venedig – diese Alpenüberquerung ist heute ein Klassiker. Als Vorsitzender der Evangelischen Jugend in Bayern wie beruflich als Lehrer und später als Präsident des Bayerischen Jugendrings war ihm die Vermittlung von Respekt vor der Natur und ökologischem Bewusstsein ein wichtiges Anliegen. Heute leitet Gerhard Engel den Filmbildungsverein Landesmediendienste und arbeitet als Organisationsberater.
Christine Scheel, geboren 1956, verbrachte mit ihren Eltern und später mit ihren beiden Kindern viel Zeit mit Wandern. Ihre Liebe zu Natur und Bergen wurde ihre politische Vision: Schon früh engagierte sie sich in der Umweltbewegung und war 26 Jahre Abgeordnete der Grünen – zuerst acht Jahre im Bayerischen Landtag, dann im Deutschen Bundestag. Heute ist sie Beraterin für Politik und Wirtschaftsfragen und Aufsichtsrätin in Firmen, die erneuerbare Energien produzieren. Ehrenamtlich ist sie Vorsitzende des Kuratoriums der Evangelischen Akademie Tutzing und engagiert in Stiftungen. Die Autorin lebt in Rottenberg im Landkreis Aschaffenburg.
Fotos: © www.etzer.de

Christine Scheel, Gerhard Engel: Weit Blick. Einsichten auf dem Weg über die Alpen. 134 Seiten. Format: 12,5 x 18,7 cm. Flexcover. Claudius Verlag, München, 2018. ISBN 978-3-532-62814-0. 14,00 €.
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Frank Eberhard: Das Wanderbuch Allgäu

Frank Eberhard:
Das Wanderbuch Allgäu



Welcher Bergfreund hat nicht schon eine ganze Sammlung von Führern über das Allgäu um Schrank. Ist ja auch eine der schönsten Gegenden im deutschen Alpenbereich, was nicht nur an den zahlreichen Gästen dort abzulesen ist.

Und voller Bücherschrank hin, voller Bücherschrank her – für ein Allgäu-Buch mehr ist allemal noch Platz. Vor allem wenn es ein solch umfassender Führer ist wie der hier vorliegende. Der erfahrene Autor Frank Eberhard hast sich die Gegend zwischen dem Oberallgäu mit dem Hochgrat als westlichsten Punkt vorgenommen – der Eistobel bei Isny sieht da zwar wie ein „Ausrutscher“ aus, liegt aber etwa auf demselben Längengrad – und Neuschwanstein bei Füssen als Thema vorgenommen.

In dieser Gegend verlaufen die 45 Wanderungen, die in drei Schwierigkeitsgrade eingeteilt sind, von leicht bis zu schweren Gipfelbesteigungen. Für jeden ist also was dabei, und man kann sich steigern, von blau über rot zu schwarz.

Die schönsten Touren sind sicherlich die direkt in den Allgäuer Alpen, hier häufen sich aber auch die schwarzen Touren. Wer sich aber im Allgäu auskennt, der weiß, dass auch die Touren im Alpenvorland oder an den zahlreichen Seen dort herrliche Erlebnisse sind – nicht zuletzt, weil man da die Kette der Allgäuer Berge vor Augen hat.

Ausführliche Infokästen informieren über alles wesentliche der Tour, vom Tourencharakter über Anfahrt und Ausgangspunkt, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten, Karte und Tourist-Infos bis hin zu den Basics wie Länge, Höhenmeter und Zeit. Interessantes unterwegs bekommt einen eigenen Kasten und zum ersten Überblick findet man eine Tourenskizze.

Zum Autor:
In Südfrankreich geboren und jetzt in Memmingen wohnhaft, hatte Frank Eberhard schon immer Bezug zu den Bergen. Nach dem Abitur verbrachte er vier Jahre bei den Gebirgsjägern und nahm an einem Einsatz im Kosovo teil. Mittlerweile ist er als Redakteur, freier Journalist und Autor tätig. Mit besonders viel Freude arbeitet er an Reise- und Bergthemen. In der Natur geht er am liebsten auf Trekkingtouren und liebt klassisches Bergsteigen.

Frank Eberhard: Das Wanderbuch Allgäu. 45 Touren zwischen Buchloe und Bodensee. 192 Seiten, ca. 200 Abbildungen, Format 16,5 x 23,5 cm, Klappenbroschur mit Fadenheftung. Bruckmann Verlag, München, 2017. ISBN 978-3-86246-425-8. € [D] 19,99, € [A] 20,60, sFr 27,90.
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Ute Böttinger, Hansjörg Jung: Schönbuch

Ute Böttinger, Hansjörg Jung:
Schönbuch
Lieblingsplätze zum Entdecken



Manchmal liegt das Glück so nah, da muss man gar nicht in die Ferne reisen. So zum Beispiel der Schönbuch, der älteste Naturpark des Landes. Mitten im Land gelegen, in der Nähe von Stuttgart und Tübingen, auch Böblingen, Reutlingen und Herrenberg liegen in der Nähe. Wer dort wohnt, weiß was er vom Schönbuch hat.

Als Naturpark weiß man, dass man von einer herrlichen Natur erwartet wird. Als ehemaliges Jagdgebiet der württembergischen Herrscher, als Nachbar der Universitätsstadt Tübingen und anderer altehrwürdiger Orte – die heute aber putzmunter sind, wartet aber auch Kultur ohne Ende auf den Besucher. Man muss nur wissen wo.

Möglichkeiten ohne Ende
Und da wird es schwer. Ob der Vielzahl der Möglichkeiten. Sei es ein Gedenkstein, eine alte Kirche, ein Museum, ein historisches Haus, Möglichkeiten gibt es viele. Allein 77 sind in dem Buch enthalten. Und der Schönbuch ist damit nur „angekratzt“.
Man geht mit einer Märchenerzählerin auf Tour oder lässt sich kulinarisch im Weinberg oder im Gourmetrestaurant verwöhnen. Den Anfang macht die „Glucke im Gäu“, die alte und immer wieder rutschende Kirche in Herrenberg mit ihrem Glockenmuseum, dazwischen genießt man Fachwerk, Käse, ein Dinner hoch im Baum, sucht Pilze, lernt, dass das Reh nicht die Frau vom Hirsch ist, geht ins Freibad oder zum Baggersee und ins Polizeimuseum, erlebt Quadrate in Form von Schokolade oder Kunst oder träumt von einem Maserati. Und und und …

77 mal Schönbuch also. Anderthalb mal so viel wie das Jahr Sonntage hat. Zumindest ein Jahr hat man also keinen Grund zur Langeweile. 

Zu Autorin und Autor
Die freie Journalistin und Autorin Ute Böttinger ist in Herrenberg geboren und aufgewachsen, seit 2004 lebt sie in Hohenlohe. Sie schreibt über Reisen, Wein und Kulinarik, im Gmeiner-Verlag erschien 2013 »Hohenlohe pur genießen« und 2016 ihr Debüt-Krimi »Friedrichsruhe«. 
Foto: Böttinger


Hansjörg Jung ist Redakteur bei der »Sindelfinger/Böblinger Zeitung« und lebt seit über 30 Jahren in Herrenberg. In seiner Freizeit durchstreift er oft den Schönbuch – sei es bei ausgedehnten Radtouren oder auch auf Pilzsuche.
Foto: privat




Ute Böttinger, Hansjörg Jung: Schönbuch Lieblingsplätze zum Entdecken. 192 Seiten, durchgehend farbig bebildert. Format: 14 x 21 cm. Paperback. Gmeiner Verlag, Meßkirch, 2018. ISBN 978-3-8392-2255-3. EUR 16,00 [D] / EUR 16,50 [A]. Download als ePub 12,99 €, download als PDF 12,99 €.
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Sonntag, 22. April 2018

Robert Asam, Udo Bernhart: Sehnsucht Südtirol

Robert Asam, Udo Bernhart:
Sehnsucht Südtirol
Burgen, Wein und hohe Berge



Wo schmecken die Trauben am süßesten? Und was ist wohl des Deutschen beliebtestes Urlaubsland, zumindest wenn er in die Berge möchte, vor allem aber wenn er teutonisches Wesen und südliches Flair, sei es bei den Menschen, vor allem aber auch in der Küche, vereinigen will? Natürlich in Südtirol!

Zwei Meister ihres Fachs, ein profilierter Journalist und ein gestandener Fotograf, beide aus Südtirol stammend, haben der Unzahl von Büchern über dieses gesegnete Land um eines vermehrt.

Es ist aber nicht nur „irgend ein neues Buch“ über Südtirol. Es ist etwas Besonderes. Großformatig, man hat ihm sogar einen Schutzumschlag gegönnt, gespickt voll mit prächtigen Fotos und informativen Texten. Da hat nicht irgendeiner sich mal was über Südtirol angelesen, da hat einer geschrieben, der sich auskennt.

Vom Wein und von den deutschen Kaisern
Gegliedert ist das Buch nach den Landschaften. Sie sind unter den Hauptkapiteln Im Herzen des Landes, Streifzüge im Westen, Dem Geheimnis des Weines auf der Spur, Die Dolomiten erkunden und Wo deutsche Kaiser gegen Süden zogen. Zudem gibt es abschließend einige Infoseiten.

Kennen Sie den Rosengarten? Gleich eingangs wird gezeigt, wie König Laurins Reich glühen kann. Die Drei Zinnen oder Europas größte Hochalm, die Seiser Alm, sind weitere der Sehnsuchtsziele der Deutschen.

Bozen und Meran, beides malerische Städte, aber völlig unterschiedlicher Art und Geschichte, werden beschrieben. Das Buch handelt vom Duft von Südtirols Apfelblüte, dem Geschmack der Kastanien beim Törggelen im Herbst, das Eisacktal lässt grüßen? Der Leser besucht die prächtigen Gärten von Schloss Trauttmansdorff und genießt den Blick von Schloss Tirol.

Das Buch fordert geradezu dazu auf, es immer wieder in die Hand zu nehmen. Sei es vor, sei es nach einem Südtirolurlaub. Oder sei es einfach nur so, optimalerweise bei einem Glas Vernatsch vom Kalterer See, der sich mittlerweile zum Spitzenwein gemausert hat, der es mit den ganz großen der Weinbranche aufnehmen will und kann.

Zu Autor und Fotograf:
Robert Asam, geboren 1953 in Meran/Südtirol, arbeitete als Journalist für verschiedene Medien in Südtirol und Deutschland und war zuletzt Chefredakteur des öffentlich-rechtlichen Senders RAI Südtirol. Während seiner Journalistenjahre hat er mehrere Bücher veröffentlicht und verbindet seit seiner Pensionierung verstärkt das Schreiben mit dem Reisen. Madeira besuchte er erstmals 2005 und entdeckte es damals als ideale Urlaubs-Alternative zu Südtirol.
Udo Bernhart arbeitet seit mehr als 35 Jahren als freier Fotograf und Fotojournalist. Im Vinschgau aufgewachsen und der Südtiroler Landschaft eng verbunden, führten ihn Aufträge in die ganze Welt: Feuerland, China, Alaska, Kamtschatka... Seine Aufnahmen sind in deutschen sowie internationalen Magazinen erschienen. Er hat zahlreiche Fotoreportagen und mehr als 100 Bildbände veröffentlicht. Er lebt abwechselnd im Vinschgau oder in Frankfurt am Main. Mehr unter: www.udobernhart.de

Robert Asam, Udo Bernhart: Sehnsucht Südtirol. Burgen, Wein und hohe Berge. 160 Seiten, ca. 180 Abbildungen, Format 24,5 x 30,5 cm, Hardcover mit Schutzumschlag. Bruckmann Verlag, München, 2018. ISBN 978-3-7343-1057-7. € [D] 29,99, € [A] 30,90, sFr 41,50.
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