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Mittwoch, 11. März 2026

Aljoscha Blau: Ein Tag in Cap d’Agde

 Aljoscha Blau:  

Ein Tag in Cap d’Agde

 


Schöne Bücher, schön gemachte Bücher und Bücher mit schönem Inhalt findet man nicht allzu häufig. Stöbert man im Verzeichnis des Verlages Kunstanstifter, dann schon – der Name ist Programm.

Zu seinen schönen, wunderschönen Büchern gehört auch das Werk mit den Zeichnungen des russischstämmigen Aljoscha Blau, der, da fotografieren dort nicht erlaubt ist, einfach die Nackedeis in diesem FKK-Paradies gezeichnet hat.

Von diesem größten und meistbesuchten Naturisten-Zentrum Europas gab es bisher so gut wie keine Bilder. Logisch: Fotografieren ist streng verboten. Und wer mag – und kann schon – zeichnen? Blau schon, wie man sieht. Er porträtiert Menschen und Dinge dort. Zum Teil ans Ganzes, zum Teil als Pars pro Toto nur ausschnittsweise und lässt sich auf diesen seltsam schönen Ort ohne Vorbehalte ein.

Selbst vorurteilsfrei nackt zeichnend, entdeckt er ungewöhnliche Parallelwelten, in die ihn die Porträtierten ohne Bedenken mitnehmen, offen, dennoch kein Urteil zulassend. Seine Skizzen zeigen glückliche, gelöste Menschen und lassen den Betrachter dieses Skizzenbuches das berühmte Quartier Naturiste zum ersten Mal miterleben und besser verstehen. Die Bilder bilden alles ab, was es dort für einen aufmerksamen und begabten Menschen zu sehen gibt: die Menschen als Ganzes, die Menschen als Gruppe, Köpfe, die Menschen oder Körperteile von ihnen ausschnittweise, wobei bei der einen oder anderen Zeichnung die Altersbegrenzung „ab 18“ sicher angebracht ist. Aber auch Häuser, Hunde, seltsame Pflanzen und Kleinigkeiten, Petitessen, die nur der Kenner und Künstler als abbildenswert entdeckt.

Aber Kunst ist halt Kunst, und Braun ist ja nicht der einzige oder erste, der auch wagemutige Ausschnitte malt und zeigt, die sicher nicht überall auf Zustimmung und Freude stoßen. Wie es bei guter Kunst auch sein sollte.

Braun zeichnet mit dem schwarzen Stift, krakelig, und im Krakeligen doch perfekt. Dazu koloriert er die Zeichnungen zart, sodass das Bild nicht durch die Farbe dominiert wird, sondern durch die Zeichnung, und die Farbe die Schöpfung des Stiftes nur perfekt ergänzt.

Uns so liegt da ein Buch vor einem, das sich immer wieder zu entdecken lohnt. Jedesmal wird man was Neues entdecken, das man bisher noch nicht bemerkt hat, und jedesmal wird am sich an der Leichtigkeit freuen, mit der Braun seine Sujets erfasst.

Die besondere Qualität der Zeichnungen, ja der ganzen Gestaltung des Buches fand auch Widerhall in einer Auszeichnung, denn 2017 wurde „Ein Tag in Cap d´Agde“ verdienterweise mit dem German Design Award (Gold in der Kategorie Posters, Cards and Photography) ausgezeichnet! Einer von vielen Preisen, die auf den Zeichner herabrieselten, siehe unten in der Biographie.

Zum Künstler:

Aljoscha Blau, 1972 in St. Petersburg geboren, studierte Illustration und freie Grafik in Hamburg, sowie Zeichnen und Malerei in St. Petersburg. Er stellte in Paris, New York, Hamburg und Bologna aus und hat über 50 Bücher illustriert. Er bekam wichtige internationale Auszeichnungen, u. a. den BolognaRagazzi Award, den Troisdorfer Bilderbuchpreis, den Österreichischen und zweimal den Deutschen Jugendliteraturpreis.

Die künstlerische Arbeit verbindet er mit Lehraufträgen für Zeichnen und Illustration an den Kunsthochschulen in Deutschland und Dänemark. Seit 2009 wurde Aljoscha Blau wiederholt für den weltweit wichtigsten Illustrationspreis, den Astrid Lindgren Memorial Award (ALMA) nominiert.

Aljoscha Blau: Ein Tag in Cap d’Agde. 136 Seiten, Format: 15,3 x 21,6 cm, Hardcover mit Halbleinen, Gummiband, Lesebändchen, Farbschnitt und Prägung, ab 18 Jahren, Verlag Kunstanstifter, 2016. ISBN: 978-3-942795-38-8 und 978-3-942795-36-4 (Sonderedition). 

Preis 26,50 € (D)/ 27,30 € (A) und 60 € (D) (Sonderedition)

Das Buch ist auch als Sonderedition, mit einer limitierten und vom Künstler signierten Siebdruckarbeit, erhältlich. Einen von 50 Siebdrucken kann man mit Buch für 60 € beim Verlag direkt erwerben.

Sie erhalten das Buch im Buchhandel oder hier.

Dieter Buck

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Hier finden Sie …

… Artikel über Reisen und was schön daran ist, Artikel über die Welt der Alpen, Artikel über Baden-Württemberg, Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur, Artikel über Stuttgart, Artikel und vor allem schwarzweiß-Fotos von und über Stuttgart für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie; außerdem wird auf den englischsprachigen Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt hingewiesen.

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Donnerstag, 3. März 2022

Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw: Sehen und Hören

 Romana Romanyschyn/Andrij Lessiw:

Sehen

und

Hören

 


 


Uns alle treibt seit kurzem die erschütternde Situation in der Ukraine um, immer wieder die Frage: Was kann ich, was können wir tun? Wer sich für Kultur, für Bücher interessiert, denkt vielleicht auch an Autoren, Buchgestalter, Buchkünstler, normalerweise ja nicht die am allerbesten gestellten Leute.

Da bietet es sich an, Autor*innen und Illustrator*innen in der Ukraine zu unterstützen. Der Gerstenberg Verlag hat solche Künstler unter seinen Autoren, Zeichnern und Künstlern und ist bestrebt, ihnen gerade jetzt eine Bühne bieten, sie und ihre Bücher, ihre kreative Kraft sichtbar machen – das, was in ihrem eigenen Land nun unmöglich ist.

Deshalb sollen hier die beiden Sachbilderbücher SEHEN und HÖREN von Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw vorgestellt werden. Sehen und Hören – wie wichtig gerade in diesem Moment!

Und der Verlag tut noch ein übriges: Die Erlöse der beiden Bücher gehen direkt an das ukrainisches Autorenpaar.

Hier zwei Zitate, die das Verhältnis des Autorenpaars und die schwierigen Zeiten dokumentieren:

„Bestürzt und voller Sorge verfolgen wir die aktuellen Ereignisse in der Ukraine. Unsere tiefe Anteilnahme gilt allen Betroffenen in unserer Branche. Das Verlegen von Büchern baut internationale Brücken und Freundschaften. Kunst ist demokratisch und international. Umso mehr sind unsere Gedanken bei unseren befreundeten Verlagen und ihren Künstlern und Künstlerinnen in der Ukraine wie bei allen, die mit Büchern arbeiten.

Aber auch bei unseren russischen Partnerverlagen und ihren Künstlern und Künstlerinnen, die sich in einer schwierigen Lage befinden.

Wir fordern die Bundesregierung und Claudia Roth als Staatsministerin für Kultur und Medien auf, mit sofortigen Hilfen zu beginnen und umgehend politisches Asyl einzuräumen.“

Daniela Filthaut und das Gerstenberg-Team

Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw schreiben:

„Liebe Daniela, liebes Gerstenberg-Team,

wir danken Ihnen sehr für Ihre Unterstützung und Ihre Stellungnahme. Das bedeutet uns viel und wir wissen es sehr zu schätzen!

Wir sind einigermaßen sicher, wir haben Lviv verlassen und sind nun in den Karpaten. „Sicher“ heißt, es gibt derzeit keine Panzer oder Kämpfe in unserer Gegend, es gibt aber regelmäßig Fliegeralarm und wir müssen in Luftschutzräume. Wir empfinden sämtliche denkbaren Gefühle: Angst, Trauer, Schrecken, Zorn, Stolz, Entschlossenheit, Bestürzung, die in Gelassenheit übergeht. Wir haben Angst um unsere Familien, wir trauern um getötete Ukrainer*innen, wir sehen mit Entsetzen, wie unsere Städte brennen, wir fühlen Zorn und Hass gegen die Eindringlinge, wir sind entschlossen, sie zu besiegen, sind stolz auf unser Land.

Die Bestürzung darüber, wie es weitergehen soll, wandelt sich beim Gedanken an unsere tapfere ukrainische Armee in Gefasstheit. Das Einzige, was wir nicht empfinden, ist Einsamkeit. Das ukrainische Volk hält so stark zusammen, wir sind eine Einheit. Jeder tut, was er kann, um unser Volk, unsere Ukraine zu retten.

Und wir spüren den Rückhalt unserer Freunde auf der ganzen Welt (…) Bitte nehmen Sie in Ihrem Land an Solidaritätskundgebungen für die Ukraine teil.

Vielen Dank und bis bald.“

Hören

Hören ist neben dem Sehen der wichtigste Sinn des Menschen. Rund um die Uhr sind wir in unserem Alltag von Geräuschen umgeben: Der Staubsauger brummt, die Nachbarn poltern. Wir hören Musik, schützen unsere Ohren vor Lärm oder gehen in die Natur, um Vögeln zu lauschen. Selbst unser Körper macht Geräusche: der Magen knurrt, die Nase schnieft. Schon im Mutterleib hören wir die Welt um uns herum!

Aber wie genau hören wir, wie ist das menschliche Ohr aufgebaut? Hören Tiere genauso wie wir Menschen? Wie wird Lautstärke gemessen? Welches ist das lauteste Geräusch auf der Erde, welches das leiseste? Und können wir einander auch ohne Worte verstehen?
Das Buch ist eine Reise in die Welt des Hörens, der Geräusche und Klänge. Und ein Sachbilderbuch über die Kunst, der Welt immer wieder mit offenen Ohren zu begegnen! Ein Buch, bei dem man nicht weiß, macht es Erwachsenen oder macht es Kindern mehr Spaß. Alle Generationen, die die Freude, das Staunen und die Freude über Kunst und Gestaltung sind genau die richtige Zielgruppe für so ein fein gestaltetes Buch.

Sehen

Sehen ist neben dem Hören der wichtigste Sinn des Menschen. Wie funktioniert unser Sehsystem, wie ist das menschliche Auge aufgebaut? Mithilfe meiner Augen kann ich Hell und Dunkel, Farben und Formen unterscheiden. Ich kann auf den ersten Blick sehen, ob jemand traurig oder glücklich ist. Neugeborene sehen die Welt noch unscharf und verschwommen und Tiere sehen anders als wir Menschen. Unglaublich kleine Dinge erscheinen durch ein Mikroskop betrachtet erstaunlich groß. Und manchmal täuscht uns das Auge auch. Doch Sehen ist so viel mehr, als wir über unsere Augen wahrnehmen. Wer ich wirklich bin, zeigt mir der Spiegel nicht.

Eine Reise in die Welt des Sehens, des Sichtbaren und Unsichtbaren. Und ein Sachbilderbuch über die Kunst, die Welt mit immer wieder neuen Augen zu sehen! Alle Betrachter, die Freude an Gestaltung, an schönen Bildern und Büchern, ja auch an der haptischen Erfahrung mit einem schön gestalteten Buch haben, werden ihre Freude an diesem fein gestalteten Werk haben.

Zu den Buchkünstlern:

Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw, beide 1984 geboren, leben und arbeiten in Lwiw. Nach ihrem Studium an der Nationalen Akademie der Künste gründeten sie das Studio Agrafka und arbeiten seitdem als Autoren, Designer und Illustratoren. Zusammen haben sie zahlreiche Bücher für Kinder und Erwachsene geschrieben, illustriert und gestaltet. International erfolgreich sind ihre Bücher in 22 Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Bologna Ragazzi Award 2018.

Foto: © Valentyn Kuzan

www.agrafkastudio.com

Romana Romanyschyn, Andrij Lessiw:

Hören. Übersetzt von Claudia Dathe. 56 Seiten, durchgehend in vier Sonderfarben gedruckt, Format 280,0 mm x 260,0 mm x 13,0 mm, Hardcover. Ab 7 Jahren. Gerstenberg Verlag, Hildesheim, 1. Auflage, 2021. ISBN 978-3-8369-6051-9. 20 €

Sie erhalten das Buch im Buchhandel oder hier.

Sehen. Übersetzt von Claudia Dathe. 56 Seiten, durchgehend in 4 Sonderfarben gedruckt. Format: 280,0 mm x 260,0 mm x 13,0 mm, Hardcover. Ab 8 Jahren. Gerstenberg Verlag, Hildesheim, 3. Auflage 2021. ISBN 978-3-8369-6050-2. 20 €

Sie erhalten das Buch im Buchhandel oder hier.

Dieter Buck

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